Vallemaggia/Val Lavizzara

Ponte Brolla - Aurigeno - Someo - Cevio - Sornico  - Peccia - Fusio

 
Wanderung Tag 1:Ponte Brolla - Avegno - Gordevio - Aurigeno - Moghegno - Lodano - Giumaglio - Someo
Wanderzeit: 5h15’ Distanz: 17,5 km Höhenmeter aufwärts: 660 Höhenmeter abwärts: 535
 
Wanderung Tag 2:
Someo - Visletto - Cevio - Bignasco - Prato - Sornico
Wanderzeit: 5h15’ Distanz: 19,5 km Höhenmeter aufwärts: 480 Höhenmeter abwärts: 110
 
Wanderung Tag 3: Sornico - Peccia - Mogno - Fusio
Wanderzeit: 3h Distanz: 9 km Höhenmeter aufwärts: 590 Höhenmeter abwärts: 60





Vallemaggia/Val Lavizzara


Vier Tage Allgäu. Vom Bodensee nach Kempten. Das war Plan Nummer 1. Nachdem wir wenige Tage vor unserer Abreise den Wetterbericht konsultieren, ist klar: Das Allgäu fällt ins Wasser! Im Tessin ist’s schön, wie so oft im Mai, wenn’s bei uns im Norden nochmals so richtig pisst und arg frisch ist.

Die Fahrt von Bern nach Domodossola verläuft wie im Fluge. Kaum im Zug, sind wir bereits in Brig. In „Domo“ steigen wir auf die Ferrovia delle Centovalli um und geniessen eine imposante Fahrt durchs Valle Vigezzo (Italien) sowie durchs Centovalli (Schweiz).

Ponte Brolla: Ein begeisterter Blick hinab auf die riesigen, ausgewaschenen Steine muss einfach sein. Dies an der Stelle, wo Centovalli und Maggiatal verzweigen.

Die Wanderung führt bald einmal in den Wald. Mal etwas sanfter, mal etwas derber. Aber immer geht's über kleinere und grössere Steine dahin. Spätestens in Aurigeno hat es uns gepackt - das Maggiatal-Fieber! Es folgen wunderschöne Steindörfer aus vergangenen Zeiten. Im Ortsteil Ronchini findet man noch heute viele Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Unter anderem die Pfarrkirche San Bartolomeo.

Im ähnlichen Stil geht es in Moghegno und Lodano weiter. Interessant sind die vielen Zeugnisse aus der ländlichen Kultur. Die direkt in die Felsen gehauenen Brunnen, die alten Mühlen oder die grossen, gemeinschaftlichen Waschhäuser. Und natürlich die zum Teil über 400-jährigen Betkapellen, welche die Wandernden bis zuhinterst ins Lavizzara-Tal begleiten.

Vor Giumaglio überqueren wir auf einer etwas wackligen Hängebrücke die Maggia. Eine Übernachtungsmöglichkeit finden wir hier nicht, dafür aber in der Osteria Morganti in Someo.   

Ausgeschlafen ordne ich meine Siebensachen und dehne meinen knackigen Körper (knackig, weil er früh am Morgen beim Dehnen recht arg knacken tut...). Wanderpartner T. ist wie stets bei unseren gemeinsamen „Mehrtägern“ längst parat. Unkompliziert halt eben! Startklar wartet er oben auf der noch etwas kühlen Pergola. Frühstück gibt’s heute keines, da das Pensionsbuffet erst um 10 Uhr öffnet.

In Cevio, dem Hauptort des Vallemaggia, besuchen wir den schönen Dorfkern mit seinem illustren Gemeindehaus - und kommen endlich zu Kaffee und Gipfeli. Weil das Wetter uns dazu einlädt, gibt’s zwischen Bignasco und Prato eine ausgiebige Mittagspause. Am Sandstrand, direkt an der Maggia, lässt es sich leben, Cervelat bräteln und Fischlein fangen.

Upps, beinahe wären wir auf eine Schlange getreten. Geschmeidig schlängelt sie sich vor unseren Füssen ins naheliegende Dickicht. Vor Prato führt der Wanderweg nochmals bergauf in den Wald. Ein ausgesprochen schöner Wegabschnitt. Mittlerweile befinden wir uns im Val Lavizzara, einem eigenständigen Seitental des Vallemaggia. Das Tal hat seinen Ursprung in den „laveggi“, den aus Speckstein gedrehten feuerfesten Kochtöpfen.

In Sornico „stranden“ wir im Hotel Garni Lavizzara. Mit feinen Boccalinos und schmackhaftem Risotto, erleben wir einen angenehmen Abend unter sehr freundlichen Menschen.

„Prato-Sornico…e le case signorili“ und „Peccia…e il marmo“. So lauten die Texte der liebevoll gestalteten Broschüren über die Abschnitte zwischen Prato und Fusio. Peccia erfreut sich im Winter der meisten Sonnenstunden im Lavizzaratal. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Dorf in der ganzen Schweiz und im Ausland durch die Öffnung des schweizweit einzigen Marmorsteinbruchs bekannt. Uns begeistert vor allem das kreative Potential, welches durch die vielen Skulpturen im ganzen Dorf sichtbar wird (in Peccia befindet sich die Bildhauerschule). Besonders die Figuren vor der Kirche haben es uns angetan.

So richtig ins Schwitzen kommen wir aber erst nach Peccia. Jetzt geht’s zünftig aufwärts. Sogar noch über ein kurzes Schneefeld, bevor wir Mogno erreichen. Mogno liegt auf 1180 Meter über Meer und hier gibt’s nochmals Kultur pur. Im Jahre 1986 wurde die 1636 erbaute Kirche von einer Lawine zerstört. Mario Botta entwarf die neue, 1997 fertig gestellte Kirche. „San Giovanni Baptista“ ist ihr Name. Das Gebäude, erbaut aus Cristallina-Marmor, gefällt durch seine elliptische Form und einem Dach aus Eisen und Glas.

Bald danach erreichen wir Fusio. Das hübsche Dorf liegt eindrücklich am Hang und ist umgeben von Bergen. Den Abschnitt zum Stausee, zum Lago del Sambuco, schenken wir uns. Stattdessen fahren wir im Postauto gefühlte Tausend Kurven hinab Richtung Cevio.

Fazit: Wunderschöne Talwanderung mit einigen Höhenmetern. Laut rauschendes Wasser und viel Sonnenschein. Sowie hübsche Dörfer und freundliche Menschen.



Fotos (von oben nach unten): Bei Avegno * Badefreuden an der Maggia * Hängebrücke bei Aurigeno * Kirchturm * Bild Visletto von H. Bachmann * Gemeindehaus Cevio * Bignasco * Specksteintopf * Hotel Lavizzara * Marmorkunst aus Peccia * Kirche San Giovanni Baptista * Fusio
Gerhard Assbichler
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4410 Liestal
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Maggiatal (3-Tageswanderung)